5 Millionen Menschen sterben jährlich an den Folgen des aktiven Rauchens und
600‘000 Nichtraucher an Passivrauchen (http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs339/en/).

Vor diesem Hintergrund werden national und international aktuell die Risiken und die Chancen von  E-Zigaretten diskutiert. Von Alltagszeitungen bis peer-reviewed Journals, die Stellungnahmen häufen sich. Die Datenlage zu potentiellen Risiken und Chancen für Raucher und Passivraucher ist jedoch noch mager. In dieser Woche hat auch die Europäische Respiratorische Gesellschaft (ERS) eine offizielle Stellungnahme zu E-Zigaretten publiziert und einen Vormittag dem Thema gewidmet. Die Hauptaussagen werden nachfolgend zusammengefasst:

Potentielle Chancen (benefit): Die E-Zigarette eignet sich als „weniger schädliche“ Alternative für Raucher, die nicht aufhören können/wollen. Sie kann womöglich Rauchern beim Rauchstopp unterstützen. Das Gesundheitsrisiko wird als gering eingeschätzt, da kein Tabak verbrannt wird. Bisherige Studien weisen deutlich geringere Schadstoffe und Karzinogene im Dampf der E-Zigaretten aus als in herkömmlichen Tabakrauch.

Potentielle Nachteile (risk): E-Zigaretten-Rauchen macht Rauchen wieder hoffähig und unterminiert die Tabakprävention und Rauchstopp-Strategien. E-Zigaretten können zu Nikotinabhängigkeit führen und Nikotin ist gesundheitsschädigend. Aktuell liegen keine Daten zu langfristigen Gesundheitsrisiken vorliegend, kurzfristige Effekte sind beschrieben. Mit zunehmender Vermarktung der E-Zigaretten besteht das Risiko, dass die E-Zigarette für Jugendliche ein Einstieg zum Tabakrauch werden könnte.

Die Jugendlichen und insbesondere junge Frauen scheinen ein Ziel des Marktes zu sein. Das Hinzufügen von süssen Geschmacksstoffen hat schon bei Alcopops geklappt – der eigentliche Wirkstoff, ob Alkohol oder bei E-Zigaretten Nikotin, wird verdeckt. Eine Verharmlosungstatik oder nur Geschmacksverbesserung?

E-Zigaretten fallen in der Schweiz aktuell noch unter das Lebensmittelgesetz und werden wie Gebrauchsgegenstände behandelt. Der Handel ist derzeit untersagt, nur für den persönlichen Gebrauch ist ein Import erlaubt. „Das Tabakproduktegesetz, welches derzeit erarbeitet wird, soll die nikotinhaltigen E-Zigaretten den Tabakprodukten gleichstellen und sie damit zu den gleichen Bedingungen wie Zigaretten für den Verkauf zulassen“ (http://www.bag.admin.ch/themen) So wären auch das Hauptzielpublikum der Tabakprävention, die Jugendlichen, besser vor E-Zigaretten geschützt.

Von grosser Relevanz ist eine objektive Information der Bevölkerung, wobei der Tenor sein sollte: Erstens, E-Zigaretten sind nicht gesunde Zigaretten, sie sind allenfalls weniger schädlich. Zweitens, solange wir nicht wissen, ob und welche langfristige Gesundheitsschäden E-Zigaretten bewirken, ist Vorsicht geboten.

Literatur-Tipp: Francesco Blasi and Brian Ward; Electronic nicotine delivery systems (ENDS): the beginning of the end or the end of the beginning? http://erj.ersjournals.com/content/44/3/585.long