Die Flüchtlingsthematik betrifft uns alle und wird nach Einschätzung von Expertinnen und Experten an Aktualität und Brisanz noch zunehmen. Fast 40’000 Menschen haben im letzten Jahr ein Asylgesuch in der Schweiz eingereicht. Wie Schätzungen des Bundes zeigen, dürften es dieses Jahr mindestens ebenso viele werden.

Die diesjährige Swiss Public Health Conference befasst sich daher mit dem aktuellen Thema „Menschen auf der Flucht – eine Herausforderung für das Schweizer Gesundheitssystem“. Die Konferenz wird gemeinsam von Public Health Schweiz und der Swiss School of Public Health (SSPH+) organisiert.

Unser Gesundheitssystem muss die Gesundheit aller Bevölkerungsgruppen berücksichtigen. Aus Public-Health-Sicht stellen sich die Fragen, welche gesundheitlichen Probleme die Flüchtlinge aus ihrem Heimatland und aufgrund der Gefährdungen während der Flucht mitbringen, wie sich die entsprechenden Versorgungsstrukturen in der Schweiz vorbereiten können und welche Erfahrungen und Best-Practice-Beispiele bereits vorliegen.

Bundesrat Alain Berset und der Berner Regierungsrat Hans-Jürg Käser werden die Konferenz eröffnen, und der Staatssekretär für Migration, Mario Gattiker, wird in einem Einstiegsreferat die aktuellen Entwicklungen im Bereich des Asyls und der irregulären Migration aufzeigen und darlegen, welche Lösungsansätze die Schweiz auf der globalen, europäischen und nationalen Ebene verfolgt. Diese hochrangige politische Besetzung zeigt die hohe Priorität, welche die an der Konferenz behandelten Fragen auf nationaler sowie auf kantonaler Ebene einnehmen.

Während im Einstiegsblock die Fakten und die rechtlichen Rahmenbedingungen aufgezeigt werden, widmet sich der zweite Themenblock den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen. Ein Blick über die Grenze zeigt die Lage von Geflüchteten in Deutschland, und Forschende berichten von ihren Erfahrungen mit unbegleiteten Minderjährigen sowie von den Implikationen, die sich in Bezug auf Infektionen und Impfungen in der Schweiz ergeben.

In einem letzten Themenblock wird schliesslich die Frage erörtert, ob die Schweiz als Ankunftsland auf die Flüchtlinge mit ihren gesundheitlichen Bedürfnissen vorbereitet ist. Insbesondere die Anforderungen an die transkulturellen Kompetenzen der Fachkräfte sind hoch: Über 30% der Patientinnen und Patienten in der Schweiz haben einen Migrationshintergrund. Diese Patientengruppe ist häufig von Unter- und Fehlversorgung betroffen, was unter anderem auf fehlende Kenntnisse einer Landessprache zurückzuführen ist.

Eine der grössten Gruppen aussereuropäischer Flüchtlinge in der Schweiz bilden Menschen aus Eritrea, und ihnen wird auch das Abschlussreferat gewidmet. Trotz zum Teil lebensbedrohlichen Umständen und negativen Erfahrungen auf der Flucht verfügen eritreische Flüchtlinge oftmals über gute Resilienzfaktoren. Mit zusätzlichen Herausforderungen im Ankunftsland Schweiz konfrontiert, können sie im neuen Lebensumfeld aber nicht immer auf ihre Ressourcen zurückgreifen, und eine Integration ist oft mit grossen Schwierigkeiten verbunden. Die seit vielen Jahren in der Schweiz lebende eritreische Ärztin Fana Asefaw wird anhand eines Fallbeispiels die Situation der Flüchtlinge aus Eritrea exemplarisch darstellen. Gemäss der Expertin sind eritreische Familien in der Schweiz enormen Belastungsfaktoren ausgesetzt. Perspektivelosigkeit, der unklare Aufenthaltsstatus und fehlende schulische und berufliche Massnahmen sind insbesondere für junge Leute sehr belastend und verhindern letztendlich auch eine gelungene Integration. In ihrem Abschlussreferat wird Fana Asefaw mögliche Lösungsansätze aufzeigen.

Weitere Ansätze und Lösungsmöglichkeiten werden auch in den Workshops diskutiert. In sieben parallelen Veranstaltungen werden die Unterstützung von traumatisierten Flüchtlingen oder von gewaltbetroffenen Frauen sowie laufende Programme in Migration und Gesundheit vorgestellt und mit den Teilnehmenden diskutiert. Für Doktorierende und Postdocs wird ein Karriere-Workshop angeboten.